Abschied vom Himmelreich

Ein Abschied steht an. Nach 5 wunderbaren Jahren muss ich mich schweren Herzens vom Himmelreich(weg) als Veranstaltungsort für meine Kräuterspaziergänge trennen. Leider kann die Familie Rath diesen Platz aus privaten Gründen nicht mehr zur Verfügung stellen.



Vor 5 Jahren lernte ich Roswitha bei einem Märchenseminar kennen und da wir beide in Graz wohnten (sie immer noch, ich nun in der Umgebung), bildeten wir eine Fahrgemeinschaft. Dadurch lernte ich dann auch das Himmelreich kennen. Und wie es bei einem Himmelreich so ist, hab ich mich dort gleich rundum wohl gefühlt. Es ist ein kleines Paradies am Rande der Stadt. Eine Naturoase mit Blick auf den Urturm, die Liesl, auf die Basilika und mit ganz vielen Wildkräutern. Das ließ mein Wildkräuterherz höher schlagen. Giersch, Gänseblümchen, Taubnessel, Schafgarbe, Sauerampfer, Spitzwegerich, sogar Bärlauch und meine besonderen Lieblinge die Brennnessel und der Holunder und noch viele mehr bewohnen das Himmelreich.

Im Mai ist die Wiese voller wildem Salbei. Gerne zeige ich bei meinen Kräuterspaziergängen die raffinierten Tricks der Natur. So auch beim Wiesensalbei, der für seine Befruchtung eine Hebelmechanik eingebaut hat. Manchmal bekamen wir sogar eine Live-Vorführung von der Expertin – der Hummel.



Der uralte Lindenbaum ist das Herz dieses Platzes. Wie alt er ist, kann keiner sagen. Im Juni verströmt die Linde den Duft des Sommers und beherbergt ein ganzes Bienen- und Hummel-Orchester, das mehrere Tage lang gratis, wundervolle Open Air Konzerte erklingen lässt. Die Linde ist nicht nur der Baum der Liebe und trägt unzählige kleine Herzen als Blätter an ihren Zweigen, sie ist von jeher der Schutzbaum von Haus, Hof und Dorf. Sie galt schon bei den Germanen und Slawen als Mittelpunkt der Gemeinschaft. So ist auch die Himmelreich-Linde nicht wegzudenken von diesem wunderbaren Platz. Bei den vielen Kräuterspaziergängen diente sie als Salatquelle, als Schattenspender, als Schaukel, als Outdoorküche und als unser grünes Esszimmer.


Das Himmelreich hat wahrlich einen guten Draht nach oben. Es hat immer dafür gesorgt, dass so manche regenversprechende Vorhersage, sich bis nach der Veranstaltung Zeit ließ. Das Himmelreich ist für mich ein Kraftplatz. Es ist ein Ort der Begegnung, der Vielfalt, der Geborgenheit – ein Ort zum Auftanken. So besonders wie der Ort ist auch die Gastgeberin Roswitha. Sie ist die gute Seele dieses Ortes.


Ich möchte mich bedanken, bei diesem besonderen Ort und seiner liebevollen Atmosphäre, bei der Natur, deren Vielfalt und Ideenreichtum wir entdecken konnten. Ich möchte mich bedanken, bei jedem einzelnen Kraut, das unsere Kochtöpfe und Bäuche füllte, bei der Linde, die uns auch bei den Veranstaltungen als Mittelpunkt des Ortes und der Gemeinschaft diente. Ganz besonders Danke sagen möchte ich Roswitha, die das Himmelreich erst vollständig macht und diesen besonderen Ort zur Verfügung stellte, die mich stets unterstützte und förderte, immer ein offenes Ohr für mich hatte und mir eine wunderbare Freundin ist. Auch ihrer Familie möchte ich danken, dass sie diesen Ort und teilweise ihr Haus, mir und anderen Menschen zugänglich gemacht haben.



Am 15. Juni 2019 findet der vorläufig der letzte Wildkräuterspaziergang im Himmelreich(weg) statt. Bei diesem Spaziergang widmen wir unsere besondere Aufmerksamkeit der Brennnessel, die reichlich im Himmelreich vorhanden ist. Auch ihr scheint es dort sehr zu gefallen.

73 Ansichten

© 2019  Nicole Maurer I Mit       gemacht I mondblumenzeit@gmx.at I Impressum I Datenschutzerklärung 

  • Facebook - Schwarzer Kreis