Gänseblümchen - Die kleine Riesin

Frech reckt es sein Köpfchen in die Höh‘ grad so, als wolle es den Grashalmen beweisen, wer hier größer ist. Es liegt ein Zauber in der Wiese. Ein Zauber, der wahre Größe und Schönheit erkennen lässt, der die Tür zum Herzen öffnet und der die Sonne in uns zum Scheinen bringt. Wahre Größe kommt von innen, auch wenn es manchmal äußerlich genau das Gegenteil ist. Die Kleine Riesin drängt sich nicht auf, sie offenbart ihre Größe leise und bescheiden. Sie will gar nicht größer sein, denn sie weiß genau um ihren Wert. Die eigene Wahrheit zu leben, zeugt von großem Mut und Vertrauen in das Leben. Die kleine Riesin lebt im Einklang mit sich selbst. Sie lehrt die eigene, innere Schönheit und Größe zu entwickeln und lässt das Selbst erblühen. – Manchmal ist das Kleinste eben doch das Allergrößte!



Gäbe es eine Weltmeisterschaft im Dauerblühen, so stände gewiss das Gänseblümchen auf dem Siegertreppchen. Es blüht fast das ganze Jahr über bis weit in den November hinein und startet ab März, in sehr milden Wintern auch schon mal im Januar. Es strotzt nur so vor Ausdauer, diese wurde auch in ihrem lateinischen Namen bedacht. Bellis abgeleitet von "bellus" für schön und "perennis" bedeutet ausdauernd. Die Blätter sind spatelförmig und bilden eine dichte Blattrosette, die von Bodenständigkeit zeugt, so wie die gute Verwurzelung auf Bodenhaftung hinweist. Aus ihrer Mitte entspringt ein blattloser runder Stiel mit einem Blütenköpfchen. Das Gänseblümchen gehört zu den Korbblütlern. Daher ist die gelbe Blütenscheibe oder Blütenhügel eigentlich ein Blütenmeer aus winzig kleinen goldgelben Röhrenblüten, die ganz geöffnet einen Fünfstern darstellen. Außen herum bilden weiße Zungenblüten den Blütenrand, der dem Gänseblümchen seinen sonnigen Charakter verleiht. Anfangs sind diese noch mangentarot gefärbt und wechseln mit der Reife ins Weiß über. Im Volksmund trägt es auch den leider vergessenen Namen Sonnentürchen, denn es besitzt die Kraft Herz und Gemüt zu erwärmen. Außerdem ist es eine wahre Sonnenanbeterin, stets wendet es sein Köpfchen der Sonne entgegen und scheint diese nicht, umschließen und schließen sich die weißen Blütenblätter.



Nochmal zur Ausdauer, der sich freche Hartnäckigkeit hinzugesellt. Da das Gänseblümchen bevorzugt auf Rasen wächst, ist es extremen Strapazen ausgesetzt. Es wird ständig getreten und alle ein bis zwei Wochen vollstreckt der Rasenmäher sein Urteil: Köpfen. Doch dem Gänseblümchen scheint das alles nichts anhaben zu können. Mutig und unermüdlich streckt es neue Blütenköpfchen in die Höh‘. Zwar kopflos, aber nicht auf den Kopf gefallen, bietet es kämpferisch dem Rasenmäher die Stirn. Es entwickelt eine Taktik und passt einfach seine Wuchshöhe an. Das heißt, je kürzer der Rasen gemäht wird, umso kürzer werden die Blütenstiele beim nächsten Austrieb. Es will blühen. Frech kommt eben weiter.


In der Wildkräuterküche ist es ebenso gern gesehen. Der Geschmack ist mild bis leicht nussig. Zugegeben, die kleinen Blätter zu pflücken, ist ein wenig mühsam. Dennoch ist das Gänseblümchen reich an Kalium und Phosphor. An Wildkräuterniveau gemessen, hat es zwar vergleichsweise wenig Vitamin C, doch immerhin das 8-fache eines Kopfsalates. Und hübscher ist es auch. Es bereichert ein Wildkräutermenü um Nährstoffe und Attraktivität.

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