Schneeflöckchen Weißröckchen

Nun ist es Winter. Die Natur, erscheint noch immer nackt und verwundbar, hüllt sich in Schweigen. Es ist leise überall, so auch im Wald – kein Blätterrauschen, nur ab und zu ein Rascheln der Amseln im Unterholz – alles ist ganz still und leise. Die meisten Tiere haben sich in ihren Unterschlüpfen zurückgezogen, manche halten sogar einen Winterschlaf. Eine Ruhe, die wir Menschen auch ganz gut gebrauchen könnten. So erscheint es mir auch als würden die Wälder und Felder, die Gärten und Haine, die Moore und Seen, ja die ganze Natur als würde sie schlafen und dabei träumen, vielleicht vom nächsten Frühling oder Sommer. Es ist ein Traum aus tausend Träumen zusammengesetzt. Alle träumen für sich und doch gemeinsam, ganz leise, ganz sanft.



Es ist eine ruhige, aber auch kalte Zeit. Das Licht wurde schon neu geboren und die Tage werden merklich länger. Ein Mehr an Licht, dass Aufatmen lässt. An manchen Tagen lüftet der Himmel sein Wolkenbett, er schüttelt es kräftig aus. Milliarden kleiner und großer Schneeflocken tanzen herab und decken die Erde zu. Wie ein weißes Federbett bedeckt der Schnee den Boden und schützt dessen verborgene Schätze. Er lässt ruhen, was ruhen soll. Der Schnee (vorausgesetzt Frau Holle meint es gut mit uns) lässt selbst trübe Tage heller wirken, er verstärkt die Helligkeit, die nun mit jedem Tag zunimmt und den kommenden Frühling erahnen lässt. An manchen Tagen glitzert und funkelt es überall, als hätte die Sonne der Erde ein diamantenes Ballkleid übergezogen. Ein Zauber liegt in der Luft und verwandelt die Natur in ein eisiges Gemälde. Jeder Ast, jeder Grashalm, jeder Gartenzaun, einfach alles ist ummantelt von Abertausenden winzig kleinen Eiskristallen. Ein Meisterwerk des Unmöglichen. Ein Zauberland, dass zum Träumen einlädt. Diese Schöpfung kann nur von einer Künstlerin erschaffen werden – der Natur.

Diese winzigkleinen gefrorenen Eisskulpturen bedecken das Land und schützen alles was darunter geborgen liegt – Pflanzen und Samen, damit die eiskalten Winde des Winters und der Frost ihnen nichts anhaben kann. Schnee, so kalt er auch ist, wärmt. Er ist wie eine Daunenbettdecke. Und mit dem Ausbreiten seines weißen Tüchleins, legt er eine Schicht Sanftheit ab. Alles wirkt friedlicher, stiller und sanfter. Der Schnee rundet harte Konturen ab. Doch zugleich setzt er aber auch Kontraste, harte Kontraste, taucht das Land in Schwarz und Weiß, zeigt Strukturen und Muster.




Schnee vereinigt das Sanfte und die Härte, die Wärme und Kälte, das Chaos und die Ordnung in sich. Schnee offenbart eine Ordnung, die sich nicht nur in seiner Gesamtheit zum Ausdruck bringt, sondern auch in jedem einzelnen Eiskristall. Jeder Schneekristall ist ein wunderschönes geometrisch-künstlerisches Unikat. Die Anatomie eines Eiskristalls erinnert an einen Stern, wobei jeder individuell einzigartig ist, aber immer 6-strahlig. Wie macht die Natur das, dass sie ohne Winkelmesser und Computer solch exakte Wunderkreationen im Nanobereich erschafft? Unzählige winzigkleine Sternchen rieseln zu uns herab und verbreiten den Winterzauber. Also doch ein bisschen Himmel auf Erden(?).



Doch ein einzelner Eiskristall ist noch lange keine Schnee. Erst zusammen in einer scheinbar bunt zusammengewürfelten (chaotisch wirkenden) Gemeinschaft fallen sie als große und kleine, dicke und dünne Flocken herab und lassen Kinder zu Schneekönigen werden, während zeitgleich viele Erwachsene nur noch an das drohende Chaos auf den Straßen denken können. So zeigt sich plötzlich der Winter von seiner lebhaften Seite. Schneeballschlacht, Rodeln, Skifahren, Schneemannbauen und jede Menge Spaß hat der Winter ebenfalls zu bieten. Wie viele Schneekristalle sind in einem Schneeball und wie viele in einem Schneemann? Millionen, Milliarden, Billionen? Die Antwort bleibt uns wohl Frau Holle schuldig.

Die Gedanken zum Winter sind noch lange nicht zu Ende, würden hier aber den Rahmen sprengen. Der Winter schürt viele Themen, wie Stille, Stillstand und Stillhalten, Innehalten, Kälte und Härte, Erneuerung, Besinnung, Klarheit, Geduld, Frau Holle und deren Märchen und Mythen ...

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